Motorsport-Quartier seit 1926

Der erste Teil des heutigen Gebäudes wurde 1924 errichtet, also zwei Jahre vor Fertigstellung des Nürburgrings. Schon vor dessen Eröffnung erkannte die Daimler-Benz Rennabteilung die Vorzüge des Hauses: Unmittelbare Nähe zur Rennstrecke, Infrastruktur um Fahrzeuge vorzubereiten und gleichzeitig das Team unterbringen zu können.

Daran hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert, die Ausstattung ist lediglich etwas moderner geworden.

So wurde bereits bei Eröffnung der neuen Versuchs- und Rennstrecke der 'Weiße Elefant' Mercedes SSK im Forsthaus für das erste Rennen in der Eifel präpariert.

Wie im richtigen Leben spielte auch schon in den frühen 1930er Jahren das Budget im Motorsport eine entscheidende Rolle und eben dieses ist der Mercedes Rennabteilung nach der Saison 1931 abhanden gekommen. So wechselte Rudolf Carraciola für die Saison 1932 auf Alfa Romeo und die kurz zuvor gegründete Scuderia Ferrari gab sich im Forsthaus ein Stelldichein.

Im darauf folgenden Jahr kam aber bereits wieder Mercedes zum Testen der brandneuen W25 Rennwagen an den Nürburgring. Die Kinder drückten sich wie auf dem Photo schön zu sehen die Nasen am Zaun platt, um einen Blick auf die neuen Autos zu erhaschen, die damals wie Ufos in den Eifelwäldern gewirkt haben müssen. Als es dann einen Unfall gab bei dem eins der Kinder aus dem Dorf angefahren wurde, spendierte das Werk solange Süssigkeiten und eine Betreuerin für alle Kinder bis die Testfahrten beendet waren.

1934 hatte die Rennabteilung von Daimler-Benz erneut ihr Hauptquartier im "Forsthaus St. Hubertus" bezogen. Schon zwei Jahre zuvor hatte die internationale Automobil Rennsportbehörde AIACR beschlossen die sogenannte "750-kg-Formel" einzuführen. Dieses Gewicht der Fahrzeuge - ohne Benzin, Öl, Kühlmittel und Reifen durfte nicht überschritten werden.

Das ist aus heutiger Sicht insofern interessant, da die Gewichtsvorschriften in unserer Zeit Mindestgewichte vorschreiben. Die AIAC wollte damit erreichen, dass die Wagen leichter und somit weniger leistungsfähig wurden, da die damaligen Kompressormonster kaum noch zu bändigen waren und ein hohes Sicherheitsrisiko darstellten.

1934 trat die neue Gewichtsvorschrift in Kraft. Daimler-Benz trat mit dem W 25 zum Rennen an. Das Achtzylinder-Triebwerk mit Kompressor und Vierventiltechnik leistete enorme 314 PS aus 3,36 Liter Hubraum. Der W 25 war seiner Zeit voraus und konnte bereits mit Einzelradaufhängung und hydraulisch betätigten Trommelbremsen aufwarten. Dieser erste Renneinsatz des W 25 auf dem Nürburgring schuf den "Mythos Silberpfeil". Aufwändige Leichtbaumaßnahmen konnten nicht verhindern, dass der neue W 25 ein Kilogramm über dem Limit der 750kg Formel lag.

Der Mannschaft um Alfred Neubauer blieb nur noch eine Nacht um den Wagen leichter zu machen - eine schier unlösbare Aufgabe. Technische Änderungen waren bis zum Rennen am 3. Juni 1934 nicht mehr durchführbar und so sagte Manfred von Brauchitsch den legendären Satz zu Rennleiter Neubauer: 

"Dann lassen Sie sich mal einen Ihrer berühmten Tricks einfallen, sonst sind wir morgen die Gelackten". Das war das Stichwort. Neubauer wies seine Mechaniker an, den weißen Lack über Nacht von den Aluminiumkarosserien zu schleifen. Diese Maßnahme sparte nicht nur das eine Kilogramm ein, sondern war auch gleichzeitig die Geburtsstunde der Silberpfeile.

Manfred von Brauchitsch gewann souverän das Eifelrennen vor Hans Stuck auf Autounion.


Nach dem Krieg ging die Silberpfeil Geschichte des Alten Forsthaus weiter, so wurde aus dem SL Flügeltürer mit der Startnummer 24 in der Werkstatt des Forsthaus kurzerhand ein Spyder gemacht. Die Begründung war das für Karl Kling der die Nummer 24 pilotierte, die Übersichtlichkeit verbessert werden sollte.

Hier der Mercedes 300 SL Spyder mit der Startnummer 24 mit dem Kennzeichen "W 59-4029". Das Eifelrennen im Jahr 1952 endete mit einem 4-Fachsieg für Mercedes und dem Erstplatzierten Herrman Lang, vor Karl Kling, Fritz Rieß und Theo Helfrich.

Die Kreise um die Silberpfeile und die Scuderia Ferrari haben sich geschlossen, als Daimler-Benz Classic im Jahr 2009 mit zwei der originalen W25 für ein Photo-Shooting ins Alte Forsthaus zurück gekehrt ist und der jetzige Formel Eins Pilot der Scuderia Ferrari Sebastian Vettel im Jahr 2007 als junger Nachwuchspilot mit dem Team Carlin und Mikhail Aleshin als weiteren Fahrer der Renault 3.5 Worldseries bei uns Station machte.